Die Gewaltfreie Kommunikation wird in Seminaren und Ausbildungen sehr unterschiedlich vermittelt, da es (leider) auch vom Center for Nonviolent Communication oder anderen Verbänden keine klaren Vorgaben für die Inhalte gibt, von Qualitätskontrollen ganz abgesehen.

In diesem kurzen Beitrag gebe ich einen Überblick über die verschiedenen Sicht- und Lehrweisen und zeige Ihnen, worauf Sie achten müssen, damit Sie die für Sie passende Ausbildung finden.

In vielen Jahren als Ausbilder für Gewaltfreie Kommunikation habe ich die Erfahrung gemacht, das die Teilnehmer verschiedene Lernphasen durchlaufen, die aufeinander aufbauen. Die Unterschiede in den Ausbildungen ergeben sich vor allem daraus, welche Erfahrung und Vorlieben die jeweiligen Trainer mit diesen Phasen haben.

  1. Lernphase: Hier lernen Sie die „vier Schritte“ der Gewaltfreien Kommunikation das erste Mal kennen. Sie lernen, dass man „Beobachtung von Bewertung trennen kann“, dass es „Gefühle“ und „Nicht-Gefühle“ gibt, dass es einen Unterschied von „Bedürfniss und Strategie“ gibt, und dass Sie eine „konkrete Bitte von Forderungen oder allgemeinen Wünschen“ unterscheiden können.
  2. Lernphase: In dieser Zeit integrieren Sie diese vier Unterscheidungen in Ihr Denken und Fühlen. Dies kann unterschiedlich „tief“ geschehen, was einen wichtigen Unterschied in den Ausbildungen ausmacht.
  3. Lernphase: Nach der Integration der „vier Schritte“ – was individuell unterschiedlich lange dauert – bildet sich eine natürliche, „verbundene“, d.h. eine authentische Sprache mit kongruenten Gefühlen und Bedürfnissen verbunden. Diese Phase braucht  reale, lebensnahe Situationen, in denen Sie sich erproben können und Rückmeldungen bekommen. Auch in dieser Phase sind die Ausbildungen sehr unterschiedlich.

 

Lernstufen

 

Vor allem in der Phase 2 und 3 gibt es große Unterschiede in den Ausbildungen – je nachdem wie tief die Integration der vier Schritte erfolgt (Phase 2) und wie viel Zeit für die realistische und natürliche Übung der GFK aufgewandt wird z.B. in Aushandlung von Gruppenentscheidungen. Vereinfacht kann man die unterschiedlichen Ausbildungsansätze beschreiben als den Unterschied von Gewaltfreie Kommunikation als Gesprächsmethode und Gewaltfreie Kommunikation als ein Reflexionsmodell zur Persönlichkeitsentwicklung.

Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation als Gesprächsmethode

Dieser Ansatz beschäftigt sich vor allem mit Phase 1, ein wenig mit Phase 2, und kaum oder gar nicht mit Phase 3. In Ausbildungen mit diesem Ansatz werden die „Vier Schritte“ als Sprachmodell sehr ernst genommen. Sie machen in dieser Phase viele Übungen um die richtigen „gewaltfreien“ Worte (Gefühlen, Bedürnfissen) kennen zu lernen, die Unterscheidung von „Bedürfnissen und Strategien“ zu üben, lenen die Merkmale einer „konkreten Bitte“ kennen etc. Zu dieser Phase gehören z.B. auch das Erlernen von „Schlüsselunterscheidungen“, die „4 oder 6-Stühle-Modelle“, die „Dancefloors“ und fast alle Übungen aus den bekannten Übungsbüchern der GFK).

In Rollenspielen wird versucht, die gewaltfreie Kommunikation in schwierigen Situationen anzuwenden – d.h. man probiert die GFK nun in halbwegs realistischen Situation aus – was meist eine Überforderung dastellt, da die „Empathielücken“ und alten emotionalen Muster natürlich nicht weg sind.

Diese Phase ist wichtig und auch wir nehmen zu Beginn einer Ausbildung die „gewaltfreien Worte“ sehr wichtig, weil sie eine enorm hilfreiche Lernkrücke darstellen, um die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation und ihren Paradigmenwechsel immer mehr zu verstehen und zu integrieren. Man bekommt etwas, woran man sich intelektuell festhalten kann, um diese Methode zu erlernen. Mit Haltung meinen wir hier die Selbstverantwortung für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse.

Problematisch wird es jedoch, wenn man in dieser Phase stehen bleibt, d.h. wenn nicht der Schritt von Phase 2 zu 3 erfolgt. In der dritten Phase muss man die Lernkrücke der ersten beiden Stufen (die „Vier Schritte der GFK“) nämlich loslassen, um wieder zu einer natürlichen, kontextangepassten und „verbundenen“ Sprache zu finden. Wenn dies nicht passiert, entsteht das, dass was Sie vielleicht auch schon gehört haben: Eine technisch und künstlich klingende „GFK-Sprache“. Dann werden sehr häufig Floskeln und Sätze verwendet wie bspw.:

  • „Da geht es mir um … (ein Befürfnis)“.
  • Ich wünsche mir … (ein Bedürfnis)
  • „Ich bin (Gefühl)… weil ich (Bedürfnis) brauche / Sehnsucht habe nach … (Bedürfnis)“.
  • „Da erfüllt sich für mich … (ein Bedürfnis)“.
  • „Ich feiere …, bin dankbar für …“
  • „Mir fehlt die Verbindung“
  • „Es fühlt sich lebendig an.“
  • „Gleichwertigkeit etc… waren für mich sehr erfüllt.“ (oder beliebige andere Bedürfnisse)

Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation als Persönlichkeitsentwicklung

Um diese künstliche Sprache zu vermeiden, legen wir großen Wert darauf, möglichst schnell die „Phase 3“ zu erreichen. Wir ermutigen unsere Teilnehmer, nachdem sie die Grundlagen integriert haben, eine natürliche, kontextangepasste und „verbundene“ Sprache zu verwenden.  Die Worte sind dann mit authentischen Gefühlen und Bedürfnissen verbunden. Kurz gesagt geht es hier also nicht mehr um die richtigen, sondern um die stimmigen Worte!

Dies geschieht erfahrungsgemäß am schnellsten, wenn man die „Vier Schritte“ möglichst wenig im Außen verwendet – als Sprachmodell nach dem Motto: „Wenn ich höre…, fühle ich mich …, weil ich brauche… “ – sondern als inneres Reflexionsmodell, mit dem man seine Wahrnehnung, Gedanken, Gefühle, Bedüfnisse immer tiefer und umfassender wahrnimmt. Integration der Gewaltfreien Kommunikation bedeutet, dass man sich immer bewusster wird, was in einem vorgeht – ohne neue, „gewaltfreie“ Zensur, deswegen schließen wir ausdrücklich Bewertungen, Abwertungen und Verurteilunge mit ein.

Anstatt bspw. in Rollenspielen schwierige Gespräch nach den „gewaltfreien Regeln“ zu üben, beschäftigen wir uns lieber mit der Frage, was an dem Gespräch(spartner) schwierig ist. Für uns dienen Rollenspiele – oder auch Übungen wie die „Dancefloors“ vor allem dazu, diese „Empathielücken“ zu finden, um daran mit Empathie weiter zu arbeiten – d.h. wir suchen durch Empathie die Ursache der „schwierigen Gespräche“ auf der Ebene der Bedürfnisse. Das ist erfahrungsgemäß für die Lösung derartiger Situationen wesentlich nachhaltiger, als das Üben in Rollenspielen.

Empathie und die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation stehen im Mittelpunkt

Empathie in der Gewaltfreien Kommunikation hat zwei Richtungen – „Empathie für mich selbst“ (Selbstempathie) und „Empathie für andere“ (Empathie im Gespräch). Im Lernprozess muss die Selbstempathie an erster Stelle stehen, weil nur dadurch ein echtes Verständnis von Empathie entsteht (s. auch den Artikel „Empathie lernt man durch Empathie„.) Empathie bedeutet eine tiefe emotionale Selbsterforschung zum Auslöser (unangenehmer) Gefühle mit dem Ziel, die damit verbundenen Bedürfnisse bewusst zu machen.

Erfahrungsgemäß sind es zwei Themen, die diesen Gefühlen zugrunde liegen:

  • Emotionale Verletzungen (meist aus der Kindheit)
  • Behindernde Glaubensmuster

Die Arbeit an diesen beiden persönlichen Themen, wir nennen sie auch oft die  „Empathielücken“, bildet den Hauptteil unserer Intensiv-Ausbildungen (daher der Name „intensiv“). Das bedeutet, es gibt bei unseren Ausbildungen wenig Input, wenig äußere Struktur, wenige Übungen – viel mehr arbeiten wir mit den aktuellen Themen, Auslösern und Bedürfnissen der Gruppe und bestärken unsere Teilnehmer in der Selbstverantwortung, für ihre Bedürfnisse zu sorgen.

Übersicht über Merkmale der beiden Ausbildungsstile in Gewaltfreier Kommunikation

Wenn Sie feststellen möchten, welche Ausbildungstil angeboten wird, hier eine – unvollständige – Übersicht anhand derer Sie die Ausbilder fragen können.

GFK als Gesprächsmethode GFK als Persönlichkeitsentwicklung
In der Ausbildung werden viele Themen, Übungen und Rollenspiele angekündigt, wie „6 Stühle Modell“, „Arbeit an Schlüsselunterscheidungen“, „Dancefloors“, “ etc. In der Ausbildung geht es vor allem um das Themen wie Authentizität, Selbsterforschung, persönliche Entwicklung etc. Die GFK-Inhalte und Schlüsselunterscheidungen werden dem Lernfortschritt angepasst.
Es wird viel schriftliches Material produziert, auf Flipcharts protokolliert, Sammlung von Gefühls-, Bedürfnisworten, „gewaltfreien“ Formulierungen etc. Schriftliches Material und Bücher stehen zur Verfügung werden aber für den aktuellen Lernprozess kaum eingesetzt.
Es wird kaum in der Tiefe an persönlichen Themen gearbeitet. Die Arbeit an persönlichen Themen und Empathielücken steht im Zentrum der Ausbildung.
Die Ausbildung hat viel vorgegebene Struktur durch die Trainer, wie Übungen, Inputs etc. Veränderungen sind kaum möglich. Die Ausbildung arbeitet vor allem bedürfnisorientiert – die Gruppe gibt den Prozess vor. Entscheidungen werden nach den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation ausgehandelt.
Empathieprozesse zeitlich sehr begrenzt, teils maximal 15-30 Minuten Tiefe Empathieprozesse dauern ein bis zwei Stunde
Konflikte werden „wegmoderiert“ oder möglichst schnell vom Trainer gelöst. Konflikte sind willkommen und werden als Lernchance für die Gruppe genutzt. Die Teilnehmer werden unterstützt, Konflikte selbstverantwortlich zu lösen.
Es gibt ein zeitlich stark struktiertes und festgelegtes Programm auch über mehrere Tage.  Es gibt eine zeitliche Grundstruktur für den Tag, die wesentliche Arbeit ist bedüfnisorientert an den Themen der Teilnehmer.
Rollenspiele dienen dazu, „gewaltfreie Dialoge“ zu üben. Rollenspiele dienen dazu, die Auslöser für Empathielücken zu finden, um diese zu transformieren.

Haben Sie Fragen oder Kommentare? Ich freue mich über Rückmeldungen!

Bildquelle: Matthias Bozek  / pixelio.de

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